Die Wahrnehmung eines Autisten -                                    Der gewisse Unterschied.

Erleben Sie die Wahrnehmung eines Autisten mal mit seinen Sinnen!

Das Sehen:

Autisten sehen viel mehr, als wir uns je vorstellen können.

Bsp. Ein Einkauf im Supermarkt:

Eine Autist nimmt alles wahr: die Unordnung in den Regalen, verschiedene Schriften auf den Etiketten und Schildern, die vielen grellen Farben, die unterschiedlichen Verpackungen, ...

Der Blick für das Ganze, mit dem wir in der Lage sind den Überblick behalten, ist meistens nicht vorhanden. Sie sehen eben alle Kleinigkeiten, Unstimmigkeiten, Ordnungen und Unordnungen, etc. ...

Da kann der Einkauf schon mal in einen langen Aufenthalt ausgedehnt werden, bis alles bestaunt und erwähnt wurde, bzw. bis man in die Lage kommt, die Dinge zu suchen und zu finden, die man einkaufen möchte.

Andererseits kann es auch durch die vielen ungefilterten Reize zu einer sogenannten Overload-Situation kommen.

Die Reize werden nicht ausgehalten, man muss den Supermarkt möglichst schnell verlassen.


Das Hören:

Das Hören kann sich je nach Situation in der man sich befindet sehr unterschiedlich gestalten. Während ein Asperger-Autist in ruhiger, reizarmer Umgebung meistens in der Lage ist gut zuzuhören, kann es bei vielen Nebengeräuschen schnell dazu kommen, dass alle Geräusche überdimensional laut gehört und nicht gefiltert werden können, bzw. nichts mehr gehört wird.

Dann wird es auch mit der Konzentration schwierig. Die Hintergrundgeräusche können nicht in den Hintergrund gedrängt werden, sondern werden oft ebenso laut gehört, wie z.B. die persönliche Ansprache des Tischnachbarn. Das Fokussieren auf ein für mich relevantes Geräusch ist eine Herausforderung.

Leider passiert es einem Autisten oft, dass er bestimmte Aussagen / Worte gar nicht hört, was zu Problemen, Missverständnissen und auch zu Streit führen kann.

In der Schule kann es sein, dass er z.B. einzelne Elemente einer Aufgabe nicht hört, bzw. ausblendet und er daher diese Aufgaben auch nicht erledigt.

Das Fühlen:

Autisten fühlen auf sehr unterschiedliche Weise. Geht es um Körperkontakt, so ist für viele Autisten eine Umarmung nur schwer auszuhalten. Sie nehmen eine Umarmung nicht als Zeichen der Zuneigung wahr, sondern als reinen Druck, der auf sie ausgeübt wird. Hier kann es durchaus sein, dass es einen Unterschied macht, ob ganz zart über den Arm gestreichelt wird, oder es sich um eine feste Umarmung, oder um einen kurzen Fingertipp handelt. Manchmal sind es diese kleinen Unterschiede, die darüber entscheiden, was als angenehm wahrgenommen wird. Probieren Sie es aus, seien Sie behutsam und nehmen Sie die Äusserungen ernst. So finden Sie gemeinsam heraus, welche Berührungen gut sind und welche überhaupt nicht ausgehalten werden können.

Änderung der Routinen:

Der optimale Alltag eines Autisten ist klar strukturiert, planbar, voraussehbar und immer gleich. Ich finde hier folgenden Vergleich, den ich in diesem Zusammenhang schon oft gehört habe, sehr passend:

Wir stellen uns eine Perlenkette vor, mit vielen verschiedenene Perlen. Jede Perle steht für einen bestimmten Teil, bzw. eine bestimmte Tätigkeit des Tages.

Die einzelnen Perlen sind immer in der gleichen Reihenfolge ganz verlässlich aufgefädelt, so wie auch jede Tätigkeit am Tag verlässlich immer in der gleichen Reihenfolge abläuft. Darauf ist 100 % Verlass.

Möchte ich nun etwas ändern, z.B. einen Arztbesuch einschieben, Freunde besuchen, oder Ähnliches, so nimmt der Asperger-Autist im optimalen Fall gedanklich jede einzelne Perle vom Band, legt sie ordentlich in einer Reihe zur Seite, schiebt eine neue Perle an die passende Stelle und fädelt dann alle anderen Perlen in der richtigen und gewohnten Reihenfolge wieder auf.

Da dieser Vorgang sehr aufwendig und auch anstrengend ist, können wir uns vorstellen, wie aufwendig es für Autisten ist, eine Routine im Tagesablauf zu ändern. Es reicht oft eine Kleinigkeit an Änderung, um zu ermüden.